Das Beste 2018 – TV-SERIEN

Der Jahrhundertsommer hat mich eingebremst bei meinem Serienkonsum – es war schlicht zu schön draussen, um vor der Glotze zu hocken. Dennoch ist einiges zusammengekommen. Und ja, es hat immer noch seinen Reiz, einen heissen Sommertag sagen wir mit einer Folge «The Terror» auf eisige Temperaturen herunterzukühlen. Die Erkenntnis 2018: Ein Ende grossartiger Serien, wie am einen oder andern Ort herbeigeschrieben, kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Ein Zuviel beim Angebot schon. Den Überblick behalten: Schwierig! Alles schauen, was gut ist, unmöglich! Danke dennoch für Tipps, liebe andere Serienfreaks! Müssig zu sagen, dass ich mit einer Riesenliste «To do» ins 2019 starte (u.a. «My Brilliant Friend», «The Americans», «Homecoming», «Escape At Dannemora», «Sharp Objects», «4 Blocks»).

 

Coincoin et les z’inhumains (Quakquak und die Nichtmenschen)
Die Synchronisation von Arte ist ein Ärgernis, ansonsten ist «Quakquak…» ein würdiger Nachfolger von «P’tit Quinquin» (Kindkind). Zum Brüllen komisch, da absurd bis zum Abwinken, wenn Ausserirdische eine französische Küstenstadt mit Fäkalien angreifen. Wenn dabei auch noch aktuelle Themen wie Flüchtlinge und Rassismus reingepackt werden, ist das hohe Kunst des filmischen Geschichtenerzählens. An Commandant Van der Weiden (Bernard Pruvost) und seinem dödeligen Helfer kann man sich nicht satt sehen. Und die Schlussszene ist etwas vom Grössten in diesem Serienjahr.

Quakquak und die Nichtmenschen

Gomorrha – Staffel 3
Italien ist, wenn man die täglichen Nachrichten liest, am A… Erst recht gilt das, wenn man einen Blick auf Städte wie Neapel wirft, wo die Mafia herrscht und diese Serie spielt. «Gomorrha» ist weniger Fiktion als nackte Realität; ihr Autor Roberto Saviano wäre wohl schon längst umgenietet worden, stünde er nicht unter Polizeischutz. In Staffel 3 gehts so kalt und gefühllos zu und her, dass das Zuschauen richtiggehend schmerzt. Nach wie vor eine der intensivsten Verbrecher-Serien. In Staffel 3 werden die Machtverhältnisse neu geordnet – einmal mehr.

Gomorrha

Bron/Broen (Die Brücke) – Staffel 4
Zur «Brücke» wurde in der Zwischenzeit wohl alles gesagt bzw. geschrieben, was es zu sagen/schreiben gibt. Deshalb nur so viel: Die Schlussstaffel ist wie die drei Vorgänger das Beste vom Besten in Sachen nordischer Düster-Krimikost. Schade bloss, dass Martin Rohde, Kollege der seelisch angeknacksten Kollegin Saga Norén in den Staffeln 1 und 2, zum Schluss kein Auftritt zugestanden wurde.

The Bridge

The Terror – Staffel 1
Bereits am Anfang ist klar: Lebend kommt hier keiner raus. Denn die Nordwestpassage zu durchsegeln – durchs Eismeer von Grönland in den Pazifik –, ist im Jahr 1845 auch für die damalige britische Weltmacht ein schier unmögliches Unterfangen. Wie wenn die arktische Kälte, Krankheiten und Hunger nicht genug wären, wird die Mannschaft auch noch von einer grauslichen Kreatur verfolgt und sukzessive dezimiert. Durchgehend fahles Licht unterstreicht das düstere Szenario. Die Schauspieler agieren samt und sonders grandios.

The Terror

Killing Eve – Staffel 1
Dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen Ermittlerin (Sandra Oh; bekannt aus 220 Folgen «Grey’s Anatomy») und psychisch gestörter Auftragskillerin (die Neuentdeckung Jodie Comer) ist unglaublich spannend und mit acht Folgen genau richtig portioniert. Die Briten können Krimis einfach.

Killing Eve

The Ende Of The F***ing World – Staffel 1
Dagegen ist «Skins» ein Guetnacht-Gschichtli fürs Vorabendprogramm. Das rabenschwarze, in kurzen 20-Minuten-Blöcken erzählte Roadmovie zweier vom Karren gefallener Jugendlicher ist etwas vom Erfrischendsten dieses Serienjahres. Und eine der wenigen, von der man sich wünschte, es gäbe keine Staffel 2. Denn es ist schon alles, wirklich alles gesagt. Wie damals auch bei «Thelma & Louise».

The End Of The F***ing World

Patrick Melrose – Staffel 1
Benedict Cumberbatch spielt den aristokratischen Playboy, der hart darum kämpft, den seelischen Schaden zu überwinden, den Vater und Mutter bei ihm hinterlassen hat, mit einer Intensität sondergleichen. Allein Folge 1 mit den wilden Drogeneskapaden Patricks gehört eingerahmt. Wobei… die ganze Serie ist ein einziger Wahnsinnstrip.

Patrick Melrose

Narcos (Mexico) – Staffel 3
Staffel 3 bringt einen Orts- und Zeitwechsel: Mexico statt Kolumbien. Das Thema aber ist – eingeleitet mit der unverkennbaren Titelmelodie – dasselbe: Der lukrative Drogenhandel und das Ringen um die Pfründe in einem zutiefst korrupten Land. Der Kampf einiger US-Agenten dagegen scheint aussichtslos. Der Umstieg des gierigsten Drogenbarons von Haschisch auf Kokain ist auch ein Sittengemälde Lateinamerikas in den Achzigerjahren. Und der USA, die damals noch ein Weltmacht sein wollten.

Narcos (Mexico)

Fauda – Staffel 2
Wer den Nahost-Konflikt verstehen wolle, müsse diese Serie schauen, hat die NZZ zu «Fauda» geschrieben. Auge um Auge, Zahn um Zahn ist das Motto der Anti-Terror-Spezialeinheit, die diesmal einen Syrien-Rückkehrer mit Verbindung zum IS jagt. Der packende Politthriller ist manchmal schwer erträglich brutal – ähnlich «24» –, insbesondere dann, wenn zarte Momente der Liebe mit Waffengewalt einfach ausradiert werden.

Fauda

Better Call Saul – Staffel 4
Ja, ich weiss, jedes Jahr der Hinweis auf diese Serie mag etwas fantasielos sein. Aber ich bleibe dabei: Das sehr eigenständige Prequel zu «Breaking Bad» könnte noch ewig so weitergehen, bevor sich die Welten des erfolglosen Anwalts Jimmy McGill mit Crystal-Meth-Hersteller Walter White irgendwann vereinigen. Aber bittebitte… das muss noch lange nicht sein.

Better Call Saul

Occupied – Staffel 2
Die Russen haben (real) gar keine Freude an der Serie. Denn sie haben Norwegen jetzt (fiktiv) besetzt und sind entsprechend wenig willkommen. Unheimliches Szenario, das zeigt, wie eine Gesellschaft auch ohne Waffengewalt unterwandert und umgekrempelt werden kann. Umso mehr ist in solchen Situationen Zivilcourage gefragt. Wann aber ist der Zeitpunkt für aktiven Widerstand gekommen – und wie weit darf/muss dieser gehen?

Occupied

Bodyguard – Staffel 1
Schwer traumatisierter Kriegsveteran wird zum ersten Beschützer der verhassten britischen Innenministerin. Ihren Tod kann er nicht verhindern, aber weiteres Unheil, das der Nation weniger durch islamistische Terroristen droht, als einer Verschwörung im engsten Regierungskreis. Folge 1 hat alle Preise dieser Welt verdient für den wohl längsten atemraubenden Einstieg in eine TV-Serie. Man kommt das erste Mal gefühlt nach rund einer halben Stunde Luft zu holen.

Bodyguard

Goliath – Staffeln 1 und 2
Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei Dinge. Wo trifft das mehr zu, als im amerikanischen Justizsystem? Der abgehalfterte, aber gewiefte Anwalt Billy McBridge (grossartig: Billy Bob Thornton) legt sich mit der Rüstungsindustrie und einer mächtigen Anwaltskanzlei an, die er einst selbst mitbegründet hat. Sein jetziges Büro ist eine Bar in Los Angeles, in der er seiner Leidenschaft nachgehen kann – dem Trinken.

Goliath

Babylon Berlin – Staffel 1
So etwas wie der Startschuss zum Aufholrennen deutscher Serienproduzenten. Äusserst gelungene Darstellung der Zwanzigerjahre mit einer schmissigen Story, top Darstellern und etlichen musical- und dadurch geradezu rauschhaften Szenen aus einer Zeit des Aufbruchs.

Babylon Berlin

Diese Serien haben mir ebenfalls gut bis sehr gut gefallen: Maroni, les fantômes du fleuve (Die Geister des Flusses)Preacher (Staffel 3), National Treasure – Ende einer Legende, Ozark (Staffel 2), Billions (Staffel 3), Santa Clarita Diet (Staffel 2), Dogs Of Berlin (Staffel 1), Lovesick (Staffel 3), Love (Staffel 3), Seitentriebe (Staffel 1).

Enttäuscht haben mich: Sacred Games – Der Pate von Bombay (Staffel 1), Rebecka Martinsson (Staffel 1), Bad Banks (Staffel 1), Servus Baby (Staffel 1) und Vorstadtweiber (Staffel 3).

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