Das Beste 2020 – TV-SERIEN

64 Serien, 74 Staffeln – das ist meine quantitative TV-Serien-Bilanz 2020. Diese Zahlen sind nicht zum Bluffen. Natürlich ist diese Menge Corona geschuldet. Aber nicht nur. Es gibt derart viele derart gute Serien, dass ich mich ihnen auch in gewöhnlichen Zeiten gewidmet hätte, vielleicht einfach in etwas geringerer Dosis oder zeitverzögerter. Jedenfalls bot 2020 umständehalber die Möglichkeit, lange Aufgeschobenes oder Verpasstes nachzuholen. Auch solche, schon etwas ältere Serien, seien hier erwähnt. Es ist dies der erste Versuch, die Liste – in alphabetischer Reihenfolge – nach Genres zu strukturieren, wobei es natürlich grosse Trennunschärfen gibt. Den Anfang machen Serien mit Humor und damit fürs Gemüt. Kann man ja gut gebrauchen zurzeit… Und natürlich seien nur jene Serien erwähnt, die meiner Meinung nach eine gute Bewertung verdient haben (ab 4 von 5 Maximalpunkten). Zu meiner Halbjahresbilanz, auch das sei noch erwähnt, kann es punktemässig gewisse Abweichungen geben – weil die eine Serie besser, das andere schlechter gealtert ist. Das meiner Meinung nach Allerbeste zum Schluss in einer Art Zusammenfassung.
Nachtrag: Per 31.12. sind es 66 Serien und 76 Staffeln geworden. Wider Erwarten habe ich die französisch-kanadische Sensationsserie «M’entends-tu?» auch noch geschafft.


HUMOR / KOMÖDIEN

«After Life» (Staffeln 1 und 2; Netflix)
5/5 (Bewertung)
«Atypical» (Staffeln 1 bis 3; Netflix)
4,5/5
«Catastrophe» (Staffeln 1 und 2; Channel 4/BBC)
4/5
«Dead To Me» (Staffeln 1 und 2; Netflix)
4,5/5
«Home For Christmas» (Staffeln 1 und 2; Netflix)
4,5/5
«I Am Not Okay With This» (Staffel 1; Netflix)
4/5
«Love & Anarchy» (Staffel 1; Netflix)
5/5
«Never Have I Ever» (Staffel 1; Netflix)
4/5
«New Girl» (Staffeln 4 bis 7; Netflix)
4/5
«Schitt’s Creek» (Staffeln 1 bis 3; CBC)
4,5/5
«Sex Education» (Staffel 2; Netflix)
4,5/5
«Space Force» (Staffel 1; Netflix)
4/5
«Ted Lasso» (Staffel 1; Apple TV+)
5/5


VERBRECHEN / THRILLER

«Arctic Circle – Der unsichtbare Tod» (Miniserie; ZDF)
4/5
«Darkness – Schatten der Vergangenheit» (Staffel 1; Arte)
4,5/5
«Das Geheimnis des Totenwaldes» (Miniserie; ARD)
4,5/5
«Des» (Minserie; ITV/Sky)
5/5
«Follow The Money» (Staffel 3; Arte)
4,5/5
«Gangs Of London» (Staffel 1; Sky Atlantic)
4,5/5
«Marcella» (Staffel 3; Netflix)
5/5
«Moloch» (Miniserie; Arte)
4/5
«Ozark» (Staffel 3; Netflix)
5/5
«Suburra» (Schlussstaffel 3; Netflix)
5/5
«The Capture» (Miniserie; BBC One)
4,5/5
«The Pleasure Principle – Geometrie des Todes» (Miniserie; Arte)
4/5
«Wild Bill» (Staffel 1; ITV)
4/5
«Young Wallander» (Staffel 1; Netflix)
4/5
«ZeroZeroZero» (Staffel 1; Sky)
5/5


DRAMA

«Amour fou – Obwohl ich dich liebe» (Miniserie; Arte)
4,5/5
«Bad Banks» (Staffel 2; ZDF/Arte/Netflix)
4/5
«Better Call Saul» (Staffel 5; Netflix)
5/5
«Big Little Lies» (Staffeln 1 und 2; HBO/Sky)
4,5/5
«Billions» (Staffel 5; Showtime/Sky)
4/5
«Dérapages – Aus der Spur» (Miniserie; Arte)
4/5
«A Wedding, A Funeral, A Christening – Eine Hochzeit mit Folgen» (Miniserie; Arte)
4/5
«Fargo» (Staffel 4; FX)
Ohne Wertung, da noch nicht zu Ende geschaut
«Fauda» (Staffel 3; Netflix)
5/5
«Frieden» (Miniserie; SRF)
4,5/5
«Homeland» (Schlussstaffel 8; Showtime)
4,5/5
«I May Destroy You» (Miniserie; BBC One/HBO/Sky)
5/5
«Killing Eve» (Staffel 3; BBC America)
4,5/5
«M’entends-tu?» (Staffeln 1 und 2; Netflix)
5/5
«No Man’s Land – Kampf um den Halbmond» (Miniserie; Arte)
4/5
«Shtisl» (Staffeln 1 und 2; Netflix)
5/5
«Small Axe» (Miniserie; BBC One)
5/5
«Stateless» (Miniserie; Netflix)
4,5/5
«Succession» (Staffeln 1 und 2; HBO/Sky)
5/5
«Tehran» (Staffel 1; Apple TV+)
4,5/5
«The Looming Tower» (Miniserie; Hulu)
4,5/5
«The Queen’s Gambit» (Miniserie; Netflix)
5/5
«Unorthodox» (Miniserie; Netflix)
5/5
«Unterleuten – Das zerrissene Dorf» (Miniserie; ZDF)
4,5/5
«Yellowstone» (Staffel 1; Paramount Network)
4,5/5


FANTASY / MYSTERY / HORROR

«Dark» (Schlussstaffel 3; Netflix)
4,5/5
«Devs» (Staffel 1; FX Network/Sky)
4,5/5
«Preacher» (Schlussstaffel 4; AMC)
4/5
«Ragnarök» (Staffel 1; Arte)
4,5/5
«Tales From The Loop» (Staffel 1; Amazon)
5/5
«The Outsider» (Staffel 1; HBO/Sky)
4,5/5
«Watchmen» (Staffel 1; HBO/Sky)
4,5/5


ENTTÄUSCHUNGEN

«A Herdade – Land im Sturm» (Miniserie; Arte)
«Al Hayba» (Staffel 1; MTV Lebanon/Netflix)
«Das Team» (Staffel 2; Arte)
«Freud» (Staffel 1; ORF/Netflix)
«L’agent immobilier – Mein sprechender Goldfisch» (Arte)
«Messiah» (Staffel 1; Netflix)
«Swedish Dicks» (Staffel 1; Pop TV/Netflix)
«The Valhalla Murders» (Staffel 1; BBC Four/Netflix)


IN PLANUNG

«Cellule de Crise – Ohne Grenzen» (Staffel 1; SRF/Play Suisse)
«Fargo» (Staffel 4, die letzten Folgen; FX)
«Industry» (Staffel 1; BBC Two/Sky)
«M’entends-tu?» (Staffel 3; Netflix)
«Normal People» (Miniserie; BBC Three/Hulu)
«Schitt’s Creek» (Staffeln 4 bis 6; CBC)
«Twin Peaks» (Staffel 3, die letzten Folgen; Sky)
«Yellowstone» (Staffeln 2 und 3; Paramount Network)


DAS BESTE VOM BESTEN

«Shtisl» (Netflix)
In Israel lief die erste Staffel bereits 2013. Dank Netflix gewann die Geschichte um eine ultraorthodoxe Familie und ihren Alltag in einem Vorort von Jerusalem ein grösseres Publikum. Ein Geheimtipp ist sie hierzulande aber immer noch. Selten schon ist mir um Filmfiguren so warm ums Herz geworden wie bei dieser Serie aus einem Kulturkreis, der eigentlich nicht fremder sein könnte. Auf eine dritte Staffel wird sehnlichst gewartet, nicht zuletzt im Herkunftsland selber – «Shtisl» hat dort nicht weniger als zu einem Stück Völkerverständigung beigetragen. 2021 soll es mit der Ausstrahlung so weit sein (siehe Trailer). Ach ja: Wer sich die bekanntere Serie «Unorthodox» zu Gemüte geführt hat, in der es im Wesentlichen ebenfalls ums Lieben und Leiden in strenggläubigen jüdischen Kreisen geht – die dortige Hauptdarstellerin Shira Haas ist auch in «Shtisl» in einer tragenden Rolle zu sehen.


«I May Destroy You» (BBC One/HBO/Sky)
Eine sexuelle Belästigung in einem Nachtclub wirft die junge Autorin Arabella komplett aus der Bahn. Waren es K.o.-Tropfen oder sonst ein alkohol-/drogenbedingter Filmriss? Wer war der Täter? Die Geschichte basiert auf einer tatsächlichen Missbrauchserfahrung der Hauptdarstellerin (Michaela Coel), die auch das Skript zu dieser Serie geschrieben, als Produzentin fungiert und bei einigen Folgen Regie geführt hat. Die amerikanisch-britische Produktion ist schlicht eine Sensation – das wohl eindringlichste Serienerlebnis des Jahres. Es ist auch ein Porträt der Generation Tinder, wo sich alle zuballern, was das Zeug hält. Bewusstseinsverändernde Substanzen wie sexuelle Erlebnisse werden reingezogen wie Fastfood. Dass das verdammt wehtun kann, ist eine der schmerzlichen Erkenntnisse von «I May Destroy You». «Once seen and never forgotten», schreibt der «Guardian» zu diesem Zwölfteiler und beurteilt ihn als beste Serie des Jahres. True!


«Suburra» (Netflix)
Von manchen Serien wünschte man sich, sie würden endlich zu Ende gehen, gibt es doch genügend Beispiele, wo die Macher den Rank nicht fanden, um zu einem Punkt zu kommen. Bei der italienischen Mafiaserie «Suburra», die immer etwas im Schatten von «Gommorah» stand, waren es pro Staffel (total drei) immer zwei Folgen weniger. In sechs Mal knapp 50 Minuten sollte also die Geschichte todverfeindeter Familien und die dreckige Rolle einzelner Politiker und kirchlicher Würdenträger fertigerzählt werden? Ja, leider, ist in diesem Fall zu sagen. Denn es geht fast etwas zu schnell, zu drastisch, zumal die Partnerinnen von Spadino und Aureliano für ganz neue Konstellationen sorgen. Aber ach: Wer dem organisierten Verbrechen angehört, weiss, dass er gefährlich lebt. Und Empathie haben die allesamt äusserst brutalen Figuren nicht verdient. Der Abschied von «Suburra» schmerzt trotzdem…


«Love & Anarchy» (Netflix)
Bei nordischen Serien kommen einem ja in erster Linie düstere Thriller à la «Die Brücke» in den Sinn. Diese leichtfüssige Komödie um eine erfolgreiche Beraterin und Familienfrau, die bei der Arbeit auf einen jungen Programmierer trifft, welcher sie beim Masturbieren erwischt, zeigt eine andere Facette des dortigen Schaffens. Erwähnte Szene ist der Auftakt zu einem gewagten Flirt, stellen sich die beiden doch in der Folge Aufgaben wie einen ganzen Tag lang Rückwärtslaufen. Was leicht abgedreht tönt, ist es auch. «Love & Anarchy» ist überdies ein wunderbares Beispiel der offenen Lebensformen in Schweden. Dasselbe ist mir übrigens bei der erst kurz vor den Festtagen entdeckten norwegischen Serie «Home For Christmas» aufgefallen. Dass in beiden selbstbewusste Frauen im Mittelpunkt stehen, auch wenn sie in manchen Lebensphasen stark an sich zweifeln, versteht sich wohl von selbst. «Love & Anarchy» wie «Home For Christmas» bieten allerbeste Unterhaltung.


«Better Call Saul» (Netflix)
Es gibt kaum eine Serie, bei der ich mich so nach einer Fortsetzung sehne, wie bei diesem Krimidrama. Die Anknüpfung an «Breaking Bad» ist nun mit Händen zu fassen in der fünften Staffel des Prequels «Better Call Saul». Jimmy McGill ist immer noch der erfolglose Anwalt aus Albuquerque. Sukzessive läuft er allen Figuren, die in «Breaking Bad» eine Rolle spielen, über den Weg. Nur Crystal-Meth-Hersteller Walter White und der Kleinkriminelle Jesse Pinkmann fehlen noch. Ich gehe jede Wette ein, dass den Machern mit der Schlussstaffel 6 noch manche Überraschung gelingt, um aus McGill Saul Goodman werden zu lassen. Etwas Geduld ist gefragt, beginnen die Dreharbeiten coronabedingt doch erst im Frühjahr 2021, mit der Ausstrahlung ist kaum vor 2022 zu rechnen.


«Fauda» (Netflix)
In der Serie «Fauda» (arabisch für Chaos») geht es um eine israelische Undercover-Einheit, diesmal auf der Suche nach einem Soldaten, der unter falscher Identität arabische Terroristen jagt. Wie diese Einheit mit Doron Kavillio als Hauptidentifikationsfigur in Hamas-Kreisen im Westjordanland ihrem Job nachgeht, sorgt für nervenzehrende Spannung. Dass eine solche Aufgabe auch Einfluss auf den Alltag der Mitglieder der Einheit hat, ist sonnenklar. Was ihre Leben eher beeinflusst, die brandgefährlichen bewaffneten Einsätze oder immer mal wieder drohende zwischenmenschliche Kollateralschäden, sei hier mal dahingestellt. Auf jeden Fall zählt «Fauda» zum besten Serienschaffen der letzten Jahre. Eine Staffel 4 ist in Arbeit.


«The Queen’s Gambit» (Netflix)
Und last but not least die Aufsteigerstory des Jahres. Beth wächst in den Fünfzigerjahren in einem Waisenhaus in Kentucky auf. Der verschlossene Hausmeister macht sie – verbotenerweise – mit der Schachwelt bekannt. Beth hat eine besondere Begabung für das Spiel mit den schwarz-weissen Figuren. Aber auch ein Suchtproblem. In ihrer Pflegemutter, die sie aus dem Heim holt, bekommt sie eine Verbündete. Und schlägt im Schach bald alle Männer, selbst die Russen. Auch wenn man mit Schach nicht viel am Hut hat, dies ist eine der bezauberndsten Serien seit Langem, nicht zuletzt dank der fantastischen Anya Taylor-Joy in der Hauptrolle. Wenn ich diese Liste auf eine einzige Empfehlung für Serien-Freund*innen verkürzen müsste, es wäre wohl «The Queen’s Gambit».

TV-Serien 1/2020

Coronabedingt ist der TV-Serien-Konsum bei mir in den letzten Monaten geradezu explodiert. Nebst dem Üblichen, sprich freudigst erwarteten Fortsetzungen (u.a. «Better Call Saul») und grossartigen Neuheiten (u.a. «ZeroZeroZero»), bin ich auch Liegengebliebenes aufzuschaffen gekommen, von dem ich wusste, es lohnt sich. Stand Mitte Juni sind das total 37 Serien, vier davon abgebrochen (u.a. «Messiah»). Hier meine Halbjahresbilanz (jeweils in alphabetischer Reihenfolge). Welcher Streamingdienst die Nase mit seinen Eigenproduktionen, aber auch geschickten Einkäufen vorn hat, brauche ich wohl nicht speziell zu erwähnen. Netflix ist es übrigens auch, das einem das fantastische israelische Serienschaffen näher bringt (u.a. «Fauda», «Shtisel»). Tipps für Übersehenes, Überraschendes, Unterbewertetes sind jederzeit willkommen!

5/5 (Höchstwertung):
«Better Call Saul» (Staffel 5; Netflix)
«Fauda» (Staffel 3; Netflix)
«Marcella» (Staffel 3; Netflix)
«Ozark» (Staffel 3; Netflix)
«Shtisel» (Staffeln 1 und 2; Netflix)
«Tales From The Loop» (Staffel 1; Amazon)
«ZeroZeroZero» (Staffel 1; Sky)

4,5/5 (sehr gut):
«After Life» (Staffeln 1 und 2; Netflix)
«Amour fou – Obwohl ich dich liebe» (Miniserie; Arte)
«Arctic Circle – Der unsichtbare Tod» (Miniserie; ZDF)
«Atypical» (Staffeln 1 bis 3; Netflix)
«Bad Banks» (Staffel 2; ZDF/Arte)
«Bedrag – Follow The Money» (Staffel 3; Arte)
«Big Little Lies» (Staffeln 1 und 2; HBO/Sky)
«Dérapages – Aus der Spur» (Miniserie; Arte)
«Homeland» (Schlussstaffel 8; Showtime)
«Killing Eve» (Staffel 3; BBC)
«Ragnarök» (Staffel 1; Arte)
«Sex Education» (Staffel 2; Netflix)
«The Outsider» (Staffel 1; HBO/Sky)
«Unterleuten – Das zerrissene Dorf» (Miniserie; ZDF)

Ohne Wertung, aber ebenfalls (sehr) gerne geschaut:
«The Capture» (Miniserie; BBC)
«Catastrophe» (Staffel 1 bis 3; Channel 4)
«Dead To Me» (Staffel 1; Netflix)
«I Am Not Okay With This» (Staffel 1; Netflix)
«The Looming Tower» (Miniserie; Hulu)
«Wilder» (Staffel 2; SRF)

Kalt gelassen, enttäuscht oder gar verärgert haben mich:
«Freud» (Staffel 1; ORF/Netflix)
«Mindhunter» (Staffel 1; Netflix). Anmerkung: Werde ich wohl nochmals von vorne beginnen, da zu unkonzentriert und im Wechsel mit andern Serien gestartet!
«Preacher» (Schlussstaffel 4; AMC)
«The Valhalla Murders» (Staffel 1; Netflix)
«Twin Peaks» (Staffel 3; Sky). Anmerkung: Noch nicht abgeschlossen!

Das Beste 2018 – TV-SERIEN

Der Jahrhundertsommer hat mich eingebremst bei meinem Serienkonsum – es war schlicht zu schön draussen, um vor der Glotze zu hocken. Dennoch ist einiges zusammengekommen. Und ja, es hat immer noch seinen Reiz, einen heissen Sommertag sagen wir mit einer Folge «The Terror» auf eisige Temperaturen herunterzukühlen. Die Erkenntnis 2018: Ein Ende grossartiger Serien, wie am einen oder andern Ort herbeigeschrieben, kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Ein Zuviel beim Angebot schon. Den Überblick behalten: Schwierig! Alles schauen, was gut ist, unmöglich! Danke dennoch für Tipps, liebe andere Serienfreaks! Müssig zu sagen, dass ich mit einer Riesenliste «To do» ins 2019 starte (u.a. «My Brilliant Friend», «The Americans», «Homecoming», «Escape At Dannemora», «Sharp Objects», «4 Blocks»).

 

Coincoin et les z’inhumains (Quakquak und die Nichtmenschen)
Die Synchronisation von Arte ist ein Ärgernis, ansonsten ist «Quakquak…» ein würdiger Nachfolger von «P’tit Quinquin» (Kindkind). Zum Brüllen komisch, da absurd bis zum Abwinken, wenn Ausserirdische eine französische Küstenstadt mit Fäkalien angreifen. Wenn dabei auch noch aktuelle Themen wie Flüchtlinge und Rassismus reingepackt werden, ist das hohe Kunst des filmischen Geschichtenerzählens. An Commandant Van der Weiden (Bernard Pruvost) und seinem dödeligen Helfer kann man sich nicht satt sehen. Und die Schlussszene ist etwas vom Grössten in diesem Serienjahr.

Quakquak und die Nichtmenschen

Gomorrha – Staffel 3
Italien ist, wenn man die täglichen Nachrichten liest, am A… Erst recht gilt das, wenn man einen Blick auf Städte wie Neapel wirft, wo die Mafia herrscht und diese Serie spielt. «Gomorrha» ist weniger Fiktion als nackte Realität; ihr Autor Roberto Saviano wäre wohl schon längst umgenietet worden, stünde er nicht unter Polizeischutz. In Staffel 3 gehts so kalt und gefühllos zu und her, dass das Zuschauen richtiggehend schmerzt. Nach wie vor eine der intensivsten Verbrecher-Serien. In Staffel 3 werden die Machtverhältnisse neu geordnet – einmal mehr.

Gomorrha

Bron/Broen (Die Brücke) – Staffel 4
Zur «Brücke» wurde in der Zwischenzeit wohl alles gesagt bzw. geschrieben, was es zu sagen/schreiben gibt. Deshalb nur so viel: Die Schlussstaffel ist wie die drei Vorgänger das Beste vom Besten in Sachen nordischer Düster-Krimikost. Schade bloss, dass Martin Rohde, Kollege der seelisch angeknacksten Kollegin Saga Norén in den Staffeln 1 und 2, zum Schluss kein Auftritt zugestanden wurde.

The Bridge

The Terror – Staffel 1
Bereits am Anfang ist klar: Lebend kommt hier keiner raus. Denn die Nordwestpassage zu durchsegeln – durchs Eismeer von Grönland in den Pazifik –, ist im Jahr 1845 auch für die damalige britische Weltmacht ein schier unmögliches Unterfangen. Wie wenn die arktische Kälte, Krankheiten und Hunger nicht genug wären, wird die Mannschaft auch noch von einer grauslichen Kreatur verfolgt und sukzessive dezimiert. Durchgehend fahles Licht unterstreicht das düstere Szenario. Die Schauspieler agieren samt und sonders grandios.

The Terror

Killing Eve – Staffel 1
Dieses Katz-und-Maus-Spiel zwischen Ermittlerin (Sandra Oh; bekannt aus 220 Folgen «Grey’s Anatomy») und psychisch gestörter Auftragskillerin (die Neuentdeckung Jodie Comer) ist unglaublich spannend und mit acht Folgen genau richtig portioniert. Die Briten können Krimis einfach.

Killing Eve

The Ende Of The F***ing World – Staffel 1
Dagegen ist «Skins» ein Guetnacht-Gschichtli fürs Vorabendprogramm. Das rabenschwarze, in kurzen 20-Minuten-Blöcken erzählte Roadmovie zweier vom Karren gefallener Jugendlicher ist etwas vom Erfrischendsten dieses Serienjahres. Und eine der wenigen, von der man sich wünschte, es gäbe keine Staffel 2. Denn es ist schon alles, wirklich alles gesagt. Wie damals auch bei «Thelma & Louise».

The End Of The F***ing World

Patrick Melrose – Staffel 1
Benedict Cumberbatch spielt den aristokratischen Playboy, der hart darum kämpft, den seelischen Schaden zu überwinden, den Vater und Mutter bei ihm hinterlassen hat, mit einer Intensität sondergleichen. Allein Folge 1 mit den wilden Drogeneskapaden Patricks gehört eingerahmt. Wobei… die ganze Serie ist ein einziger Wahnsinnstrip.

Patrick Melrose

Narcos (Mexico) – Staffel 3
Staffel 3 bringt einen Orts- und Zeitwechsel: Mexico statt Kolumbien. Das Thema aber ist – eingeleitet mit der unverkennbaren Titelmelodie – dasselbe: Der lukrative Drogenhandel und das Ringen um die Pfründe in einem zutiefst korrupten Land. Der Kampf einiger US-Agenten dagegen scheint aussichtslos. Der Umstieg des gierigsten Drogenbarons von Haschisch auf Kokain ist auch ein Sittengemälde Lateinamerikas in den Achzigerjahren. Und der USA, die damals noch ein Weltmacht sein wollten.

Narcos (Mexico)

Fauda – Staffel 2
Wer den Nahost-Konflikt verstehen wolle, müsse diese Serie schauen, hat die NZZ zu «Fauda» geschrieben. Auge um Auge, Zahn um Zahn ist das Motto der Anti-Terror-Spezialeinheit, die diesmal einen Syrien-Rückkehrer mit Verbindung zum IS jagt. Der packende Politthriller ist manchmal schwer erträglich brutal – ähnlich «24» –, insbesondere dann, wenn zarte Momente der Liebe mit Waffengewalt einfach ausradiert werden.

Fauda

Better Call Saul – Staffel 4
Ja, ich weiss, jedes Jahr der Hinweis auf diese Serie mag etwas fantasielos sein. Aber ich bleibe dabei: Das sehr eigenständige Prequel zu «Breaking Bad» könnte noch ewig so weitergehen, bevor sich die Welten des erfolglosen Anwalts Jimmy McGill mit Crystal-Meth-Hersteller Walter White irgendwann vereinigen. Aber bittebitte… das muss noch lange nicht sein.

Better Call Saul

Occupied – Staffel 2
Die Russen haben (real) gar keine Freude an der Serie. Denn sie haben Norwegen jetzt (fiktiv) besetzt und sind entsprechend wenig willkommen. Unheimliches Szenario, das zeigt, wie eine Gesellschaft auch ohne Waffengewalt unterwandert und umgekrempelt werden kann. Umso mehr ist in solchen Situationen Zivilcourage gefragt. Wann aber ist der Zeitpunkt für aktiven Widerstand gekommen – und wie weit darf/muss dieser gehen?

Occupied

Bodyguard – Staffel 1
Schwer traumatisierter Kriegsveteran wird zum ersten Beschützer der verhassten britischen Innenministerin. Ihren Tod kann er nicht verhindern, aber weiteres Unheil, das der Nation weniger durch islamistische Terroristen droht, als einer Verschwörung im engsten Regierungskreis. Folge 1 hat alle Preise dieser Welt verdient für den wohl längsten atemraubenden Einstieg in eine TV-Serie. Man kommt das erste Mal gefühlt nach rund einer halben Stunde Luft zu holen.

Bodyguard

Goliath – Staffeln 1 und 2
Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei Dinge. Wo trifft das mehr zu, als im amerikanischen Justizsystem? Der abgehalfterte, aber gewiefte Anwalt Billy McBridge (grossartig: Billy Bob Thornton) legt sich mit der Rüstungsindustrie und einer mächtigen Anwaltskanzlei an, die er einst selbst mitbegründet hat. Sein jetziges Büro ist eine Bar in Los Angeles, in der er seiner Leidenschaft nachgehen kann – dem Trinken.

Goliath

Babylon Berlin – Staffel 1
So etwas wie der Startschuss zum Aufholrennen deutscher Serienproduzenten. Äusserst gelungene Darstellung der Zwanzigerjahre mit einer schmissigen Story, top Darstellern und etlichen musical- und dadurch geradezu rauschhaften Szenen aus einer Zeit des Aufbruchs.

Babylon Berlin

Diese Serien haben mir ebenfalls gut bis sehr gut gefallen: Maroni, les fantômes du fleuve (Die Geister des Flusses)Preacher (Staffel 3), National Treasure – Ende einer Legende, Ozark (Staffel 2), Billions (Staffel 3), Santa Clarita Diet (Staffel 2), Dogs Of Berlin (Staffel 1), Lovesick (Staffel 3), Love (Staffel 3), Seitentriebe (Staffel 1).

Enttäuscht haben mich: Sacred Games – Der Pate von Bombay (Staffel 1), Rebecka Martinsson (Staffel 1), Bad Banks (Staffel 1), Servus Baby (Staffel 1) und Vorstadtweiber (Staffel 3).