Kein Fan, kein richtiger zumindest

Fussball-WM-Kolumne

Von Hans Bärtsch*

Ich gebs ja zu: Ich bin im sportlichen Bereich kein treuer Fan. Eher sogar das Gegenteil dessen, was man einen echten Fan nennt – ich bin definitiv keiner, der mit seinem Team (oder Einzelathleten) durch alle Hochs und Tiefs geht, sondern vielmehr situativ entscheidet, für wen er sein Herz schlagen lässt. Einer, der aus dem Häuschen geraten kann, wenn die Fraueneishockey-Nationalmannschaft an Olympischen Spielen nach einer Medaille greift. Oder wenn eine Schachweltmeisterschaft Dimensionen bekommt, dass das globale politische Gefüge ins Wanken gerät. Oder wenn jener amerikanische Schwergewichtsboxer, bevor er Ohren abzubeissen beginnt, seine Gegner mit einer Wucht beherrscht, dass sie sich schier freiwillig auf den Boden legen. Oder wenn die Schweiz kurzzeitig zu einer Segelnation wird.

Wirklich Fan bis ich sowieso nur dort, wo es um Musik geht. Seltsamerweise hat bei mir Musik öfters mit Sport zu tun. Unvergessen jene Heimfahrt vom Gurtenfestival 1994, als der Final an der Fussball- WM in den USA Brasilien gegen Italien lautete. Dass die Südamerikaner im Penaltyschiessen gewannen, liessen wir uns am Autoradio erzählen. Fussball ohne TV-Bilder – man stelle sich das heutzutage mal vor. Dass ich am letzten Freitag das Black-Sabbath-Konzert dem zweiten Schweizer Auftritt in Brasilien vorzog, fiel in meinem Umfeld auf wenig Verständnis. Aber wissen Sie, wie glücklich ich kurz vor Mitternacht aus dem Zürcher Hallenstadion taumelte? Und wie gut es tat, nicht zu wissen, was für einen Grottenkick die Eidgenossen der Weltöffentlichkeit zugemutet hatten? Richtig erraten: Ich werde auch heute Abend kein Fan der Schweizer Fussball-Nati sein – weil diese nichts, aber auch gar nichts hat, was den Fan in mir erwecken könnte.

* Hans Bärtsch ist Wirtschaftsredaktor bei der «Südostschweiz» und in hausinternen WM-Tippspielen meist in den hintersten Regionen anzutreffen.

pdf Südostschweiz (26.06.2014)

Die Stones in Zürich – mögen sie noch ewig rollen

Sie sind alle um die 70, aber keine Spur zu alt, um 48 000 Besucher in die Ekstase zu treiben: Das Konzert der Rolling Stones am Sonntag im Zürcher Letzigrund war schlicht und einfach grandios.

Von Hans Bärtsch (Text und Bild)

Zürich. – Seit mehr als 50 Jahren sind sie «on the road», haben alle Höhen und Tiefen des Musikbusiness erlebt, Bandmitglieder unter mysteriösen Umständen verloren (Brian Jones), eigene Drogeneskapaden glimpflich überstanden (Keith Richards), Schicksalsschläge weggesteckt – nach dem Suizid von Mick Jaggers langjähriger Freundin L’Wren Scott ist es an diesem lauen Sonntagabend im Zürcher Letzigrundstadion erst das dritte Konzert der wiederaufgenommenen Welttour namens «14 On Fire», das erste unter freiem Himmel. Vor allem aber stehen die Rolling Stones souverän über dem Umstand, dass ihnen seit rund einem Vierteljahrhundert überhaupt nichts Neues mehr einfällt – der leidlich attraktive Stampfer «Doom And Gloom» ist das einzige gespielte Stück, das aus den 2000er-Jahren stammt.

Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards in voller Aktion.

Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards in voller Aktion.

 

Für andere wäre eine solche Phase künstlerischer Flaute der Todesstoss. Für Jagger und Co. sowie das Publikum ist es – zumindest an diesem Abend – das Beste, was ihnen passieren kann. Denn wie die Gruppe mit alten Schlachtrössern wie «Jumpin’ Jack Flash», «Honky Tonk Women», «Sympathy For The Devil» usw. umgeht, ist grossartig. Trotz stattlicher Begleitband: die Songs wirken nie mastig, sie sind allesamt aufs Notwendigste reduziert, leben von den einpeitschenden Riffs der beiden Gitarristen Richards und Ron Wood (letzterer, der Jungspund der Band, feiert am Tag des Zürcher Auftritts seinen 67. Geburtstag). Charlie Watts am Schlagzeug hält mit seinen stoischen Rhythmen das Ganze zusammen. Mick Jagger ist dazu der Entertainer vor dem Herrn, spult Kilometer ab auf der riesigen Bühne mit Laufsteg weit ins Publikum hinaus. Und er ist stimmlich so gut beieinander, dass es eine Freude ist – Jagger verleiht den Songs den letzten Tick an Dringlichkeit, die ihnen so schon innewohnt.

Rückkehr zu den Ursprüngen

Mit der Art, wie die rollenden Steine ihr Repertoire interpretieren, der sichtbaren Spielfreude, der Patzer auch (Richards haut seine Riffs mehr als einmal haarscharf daneben, und tempomässig war er schon deutlich sattelfester) ist die Band heute wieder dort, wo sie einst herkam – beim schwarzen, souligen (Rhythm’n’) Blues, aus dem sie ihren rauen, dreckigen Rock entwickelt haben. Die Höhepunkte des exakt zwei Stunden dauernden Konzerts sind indes nicht die bekanntesten Songs, sondern ausgedehnte Versionen etwa von «Worried About You», von Jagger im Falsett gesungen und von Wood mit einem wunderschönen Solo verziert. Oder «Out Of Control», wo Jagger zur Mundharmonika greift und sich Richards und Wood mit ihren Gitarren duellieren. Bei «Midnight Rambler» mischt mit Mick Taylor ein ehemaliges Stones-Mitglied als dritter Gitarrist mit – ein komplett unterschätzter Saiten-Zauberer, dem allerdings jegliche Entertainer-Qualitäten abgehen und der deshalb nicht recht ins Ensemble passen will. An einem Abend wie diesem, wo unangefochten die Musik im Zentrum steht, passt das dennoch bestens.

Zu erwähnen ist ferner die funky Nummer «Miss You», wo Bassist Darryl Jones endlich etwas Freilauf erhält; er dankt es mit einem herrlichen Solo. Verstärkt solistisch wünschte man auch Lisa Fischer zu hören. Sie ergänzt Jagger auf der Bühne seit mittlerweile 25 Jahren. Stücke wie «Gimme Shelter» zeigen, wie unverzichtbar die Soulröhre für die Bühnenauftritte der Stones geworden ist.

Kein Wunsch bleibt unerfüllt

Zum Schluss veredelt der Chor der Zürcher Sing-Akademie das wunderschöne «You Can’t Always Get What You Want». Und bei der letzten Zugabe, dem mitreissenden «(I Can’t Get No) Satisfaction», steht das Stadion vollends Kopf. Zumal, entgegen diesen Song­titeln, wohl alle Wünsche des Publikums in Erfüllung gegangen sind. Ein Publikum, das – wenig erstaunlich – zum Grossteil aus älteren Semestern in T-Shirts mit dem berühmten Zungen-Logo besteht, und unter das sich nationale (zum Beispiel Marc Sway) wie internationale Prominenz (Tina Turner) gemischt hat.

48 000 sind es im Stadion, Hunderte weitere rund um den Letzigrund, der eine einzige friedliche Festmeile ist und wo man das Konzert akustisch tadellos mitverfolgen kann. Sie alle sind Zeugen geworden eines magischen Abends, an dem sich einmal mehr zeigt: Rock­musik ist keine Altersfrage. Im Gegenteil – je älter und gereifter, desto besser. Mögen sie – wenn die Chemie derart stimmt wie im Moment – noch ewig rollen, die Stones. Dieser Meinung waren auf der Heimfahrt mit dem Zug von Zürich Richtung Chur auch etliche Konzertbesucher aus der Südostschweiz. «U huere geil!» lautete der Tenor.

pdf Südostschweiz (03.06.2014)

So lassen sich bei Google Löschanträge stellen

Weihnachtliches Google-Logo.

Weihnachtliches Google-Logo.

 

Der Europäische Gerichtshof in Strassburg fällt ein wegweisendes Urteil: Es gibt ein Recht auf Vergessen. Das heisst, Suchmaschinenbetreiber wie Google – vor allem er – muss sensible persönliche Informationen löschen. Was bedeutet das für den einfachen Internetnutzer? Die «Südostschweiz» beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema

pdf Südostschweiz (16.05.2014)

Die neuen Schweizer Banknoten – Verzögerungen ohne Ende

 

Die neue Schweizer Banknotenserie, gestaltet von Manuela Pfrunder - der Herausgabetermin steht noch immer in den Sternen. (Bild SNB)

Die neue Schweizer Banknotenserie, gestaltet von Manuela Pfrunder – der Herausgabetermin steht noch immer in den Sternen. (Bild SNB)

 

Die Firma Landqart AG in Landquart hat den Auftrag zur Herstellung der neuen Schweizer Banknotenserie erhalten. Dies teilte die kanadische Fortress Paper Ltd., die Muttergesellschaft der Landqart, Anfang Mai 2014 mit. Damit kommt Bewegung in eine von jahrelangen Verzögerungen geprägte Geschichte. Die Schweizerische Nationalbank musste den Herausgabetermin immer wieder verschieben. Zuletzt war von «frühestens 2015» die Rede. Ein exklusiver Beitrag der «Südostschweiz».

pdf Südostschweiz (02.05.2014)

pdf Südostschweiz (03.05.2014)

Keine Gnade für Steuersünder Uli Hoeness

Uli Hoeness war lange Zeit der „Mister Bayern München“. Bis er sich als Steuersünder outete, mit Bankkonten in der Schweiz. Jetzt sitzt er die Gefängnisstrafe ab, zu dem ihn ein Münchner Gericht im März 2014 verurteilt hat.

pdf Südostschweiz (12.03.2014)

pdf Südostschweiz (14.03.2014; Front)

pdf Südostschweiz (14.03.2014)

Big Data – das grosse Geschäft

Hotspot der neusten Trends: Das Musikfestival Eurosonic Norderslaag. (Pressebild)

Hotspot der neusten Trends: Das Musikfestival Eurosonic Norderslaag. (Pressebild)

 

Musikfestivals werden immer mehr zu Technologiefestivals. Aktuell ist Big Data das ganz grosse Thema. Was bedeutet der Zugang zu riesigen Datenmengen für Unternehmen – und was für Konsumenten? Ein Bericht vom Eurosonic Norderslaag 2014 im niederländischen Groningen.

pdf Südostschweiz (11.03.2014)

Hapimag wird 50 – und fühlt sich noch lange nicht überaltert

Zufrieden: Hapimag-Chefin Marisabel Spitz sieht ihr Unternehmen gut aufgestellt.

Zufrieden: Hapimag-Chefin Marisabel Spitz sieht ihr Unternehmen gut aufgestellt.

 

Gemeinsam investieren, individuell nutzen – das ist das Geschäftsmodell von Hapimag. Zum 50-Jahr-Jubiläum des Ferienwohnrechtanbieters wirft Hapimag-Chefin Marisabel Spitz einen Blick zurück und voraus.

pdf Südostschweiz (27.09.2013)

Warum zur Greater Zurich Area auch Graubünden gehört

Verwaltungsratspräsident der Greater Zurich Area: Balz Hösly.

Verwaltungsratspräsident der Greater Zurich Area (GZA): Balz Hösly.

 

Zur Standortmarketingorganisation Greater Zurich Area (GZA) gehören auch die Kantone Graubünden und Glarus. Verwaltungsratspräsident Balz Hösly erklärt, weshalb der Wirtschaftsraum Zürich nicht nur aus Zürich selber besteht.

pdf Südostschweiz (04.05.2013)

Legendäre Generalversammlungen

Grosse Unternehmen führen ihre Generalversammlungen, bei denen sie viele Aktionäre erwarten, in entsprechend grossen Hallen durch. Dem Hallenstadion Zürich etwa, auf dem Olma-Areal in St. Gallen – oder in der St.-Jakobs-Halle in Basel. Dort war der Schreibende bei wegweisenden GVs dabei – der letzten der Fluggesellschaft Crossair, bei der UBS 2010, als dem Verwaltungsrat der Grossbank die Décharge für ein Rechnungsjahr verweigert wurde, und beim Abschied des als Abzocker verschrienen Bündners Daniel Vasella als Konzernlenker beim Basler Pharmakonzern Novartis.

pdf Südostschweiz (23.02.2013)

pdf Südostschweiz (15.04.2010)

pdf Südostschweiz (07.12.2001)